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3. April – DT3 nach Lübeck zum Schrott
6. April – Endzeitstimmung an der Seenplatte
7. April – Hafen im Wandel
9. April – Mobilität im Wandel
15. April – Vier neue DT3 für Hamburg
18. April – Auf der RIG-Infrastruktur
21. & 22. April – Zu Ostern durch die Probstei
28. April – Zurück in die 1980er
29. April – Spuren der Bundesbahn im Spessart
30. April – Am Main unterwegs

Sonntag und Montag, 21. & 22. April 2019 – Zu Ostern durch die Probstei

V20 039

Der Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V. (VVM) betreibt seit 1976 an der Ostseeküste zwischen Schönberg und Schönberger Strand Museumsverkehr, der im Mai 1975 im Personenverkehr aufgegebene Abschnitt der Kiel-Schönberger Eisenbahn (KSE) ist seit 1983 im Eigentum des Vereins und der Gemeinde Schönberg – nach Gründung der Stiftung norddeutsche Bahnmuseen (SndB) übernahm auch diese Anteile an der Strecke, welche Ende der 1980er Jahre in originaler Kiesbettung durchgearbeitet wurde.
Die seit 1997 vorangetriebenen Bemühungen, die Strecke Kiel – Schönberg (– Schönberger Strand)
wieder für den Personenverkehr in Betrieb zu nehmen waren letztendlich erfolgreich und eigentlich sollen bereits seit Dezember 2016 Regionalzüge auf der Gesamtstrecke verkehren. Die Bauarbeiten verzögerten sich sich bisher mit Regelmäßigkeit, nur bis Kiel-Oppendorf wird seit September 2017 im Stundentakt gefahren.
Unter anderem die Bauverzögerungen führten zu deutlichen Kostensteigerungen beim Wiederaufbau von Hein Schönberg, derzeit wird von bis zu 50 Mio EUR Gesamtaufwand ausgegangen, 15 Mio EUR mehr als zuletzt angenommen. Das von der FDP geführte Verkehrsministerium in Kiel stellte Ende März 2019 die Reaktivierung
– oder Teile davon – in Frage. Der weitere Fortgang ist offen, mit einem Abbruch der weiteren Arbeiten rechnet derzeit aber niemand.
Das prächtige Osterwetter lud zu einem Besuch an der früheren KSE-Strecke ein, die zwischen Kiel-Gaarden und Schönberg von der AKN und zwischen Schönberg und Schönberger Strand vom VVM
betrieben wird. Mit etwas Höhe im Gepäck kommt die blühende Landschaft der Probstei gut zur Geltung, als die Ende Dezember 2018 wieder in Betrieb genommene V20 039 mit P41 Stakendorf erreicht.

V20 039

Bei Passade liegt einer der fotogensten Abschnitte der früheren KSE-Strecke. Der Abschnitt Schönkirchen – Schönberg diente die letzten Jahre praktisch nur noch der Abstellung der VKP-Lok im Lokschuppen in Schönberg, Güterverkehr gab es ab Schönkirchen nicht mehr. Nach Aufgabe des VKP-Eisenbahnbetriebes 2006 wurde um die Zukunft des Abschnitts gerungen, da die Verkehrsbetriebe Kreis Plön GmbH (VKP) als Infratrukturbetreiber keinen Nutzen in der Strecke mehr hatten und nur der VVM gelegentliche Fahrten mit Museumszügen nach Kiel veranstaltete.
2008 wurde in Anbetracht der möglichen Reaktivierung der KSE für den Personenverkehr die Strecke von der VKP durchgearbeitet, um die Strecke noch für einige Jahre im bisherigen Zustand betriebssicher betreiben zu können. Seit 2014 ist die AKN Eisenbahn GmbH Infrastrukturbetreiber und plant die Streckenerneuerung. V20 039 hat den Bü Eichsollskamp passiert und erreicht Passade.

V20 039

Bereits kräftig gerodet wurde am Bü Landgraben mit der alten Tankstelle, in diesem Bereich soll die Trasse bei der Streckenerneuerung leicht verschoben werden.

V20 039

Am Passader Weg passiert die V20 039 mit dem P42 nach Schönberger Strand den Feldwegübergang nach Prasdorf.

V11

Mit HU-Datum vom 16. März 2019 ist nach vielen Jahren die Lok V 11 wieder betriebsfähig – die 1935 bei den Deutsche Werke Kiel AG (DWK) gebaute Lok wurde an die Kleinbahn Freienwalde-Zehden AG geliefert und dort als Lok 3 in Betrieb genommen. Schon 1937 wurde sie an die Kleinbahn des Kreises Ostprignitz weitergegeben, wo sie die Nummer 600 erhielt und auf der Strecke Pritzwalk – Putlitz – Suckow eingesetzt wurde. 1941 gingen alle normal- und schmalspurigen Kleinbahnen der Prignitz in den Kleinbahnen der Kreise West- und Ostprignitz auf und die DWK-Lok wurde zur 5-320.
Nach Kriegsende befand sich die Lok in den westlichen Besatzungszonen und kam 1947 zur AKN, die sie zunächst als
V 2 bezeichnete. Die zuletzt als V2.011 geführte Lok wurde 1971 mit Motorschaden abgestellt und kam 1973 als Leihgabe zum VVM, seit 1995 ist sie im Eigentum des Vereins.
An den Osterfeiertagen kamen Sonntag und Montag vor den drei Zugpaaren nach Schönkirchen zum Ostereiersuchen alle drei derzeit betriebsfähigen Loks
des VVM nacheinander zum Einsatz. Die Mittagsleistung P43/P44 bespannte die V 11, zusammen mit den Wagen KSchE 15, AK 16 und BGE 26 ein stilechter norddeutscher Museumszug – hier P43 wieder am Bü Passader Weg.

Lok 01

Die Station Stakendorf besteht aus typischem Kleinbahn-Bahnsteig, einem Stationsschild, einem Streckenfernsprecher und einer Weiche – der Mindestausstattung eines Bahnhofs. Hier zweigten im ersten und zweiten Weltkrieg zwei Anschlussgleise zu Flugabwehrstellungen ab. Eines der beiden Gleise ist bis heute teilweise erhalten, mit dem Ausbau für den Regionalverkehr wird das Gleis entfallen – die Bahnsteigkante ist zum Erhalt vorgesehen. Lok 01 erreicht den Bf Stakendorf mit P45, der letzten Fahrt des Tages nach Schönkirchen.
Die 1960 bei MaK in Kiel gebaute Lok ist seit Juli 2009 beim VVM und war zuletzt
in Uetersen bei der CFL cargo Deutschland GmbH eingesetzt, welche 2001 aus der Güterverkehrssparte der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG) hervorging.

TM36 3495

Die Straßenbahn am Schönberger Strand stand heute nicht im Mittelpunkt, aber zwei Fotos der im Betriebsdienst eingesetzten Fahrzeuge fielen dennoch ab. Der Berliner TM36 3495 erreicht im besten Abendlicht als Linie 3 zur Osloer Straße die Südschleife.

V3 2970

Der V3 2970 ist mit einem Steckschild ausgerüstet, welches auf das Jubiläum „125 Jahre elektrische Straßenbahn in Hamburg“ hinweist. Der Tag der Straßenbahn 2019 am 6. Juli wird entsprechend im Zeichen „125 Jahre Elektromobilität in Hamburg“ stehen und daran erinnern, dass Elektromobilität keine neue Erfindung ist, sondern ökologisch unbedenkliche Formen im öffentlichen Personennahverkehr auf der Straße längst erfunden und bewährt sind.

VT 509

Weit fortgeschritten ist die Hauptuntersuchung des 1938 gebauten Wismarer Schienenbusses T 2 der früheren Bleckeder Kleinbahn, welche 1944 in die Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) aufging. 1965 übernahmen die „Hamburger Verkehrsamateure“ den bei der OHE als VT 509 bezeichneten Triebwagen als erstes Eisenbahnfahrzeug. Nach jahrelanger Unterstellung in Niedermarschacht kam der Triebwagen 1970 nach Hamburg-Billstedt, ehe er zum Schönberger Strand kam und seit 2005 wieder als T 2 hergerichtet ist.

Lok 01

Am Ostermontag fand das Bilderbuchwetter seine Fortsetzung, so dass es nochmals in Richtung Ostsee ging um die drei Zugpaare abzulichten. Verfolgt werden sollte der von V 11 geführte P43 – die von Lok 01 gefahrene Vormittagsleistung P42 wurde zuvor entlang der Hügellandschaft der Holsteinischen Schweiz bei Passade abgewartet.

Lok 01

Die Infrastrukturgrenze von AKN und VVM liegt am Bü „Große Mühlenstraße“ in Schönberg. Im Hintergrund der Bahnhof Schönberg(Holst) mit dem VKP-Betriebshof. Fährt Lok 01 bereits auf Kiesbettung, läuft der letzte Wagen noch auf leichtem Schotteroberbau.

V11

Direkt am Bahnhof Schönberg liegt eine der letzten größeren unbebauten Flächen Schönbergs. Die Wiese ist idealer Standort, um die 1829 erbaute Schönberger Mühle zusammen mit dem Museumszug des VVM in Szene zu setzen. P43 erreicht von der Lok V 11 gezogen den Bf Schönberg(Holst).

V11

Typische Kleinbahntrasse mit häufigen Neigungswechseln. V 11 passiert den blinklichtgesicherten Bü Eichsollskamp vor Passade.

V11

Betriebshalt am Bf Probsteierhagen. Noch strahlen die Bahnanlagen die Gemütlichkeit der früheren Jahre aus.

V11

Nach dem Willen von Kommunalpolitik und Infrastrukturbetreiber soll der Verkehrshalt Probsteierhagen künftig westlich an der Lindenstraße liegen, was betrieblich fraglos einfacher wäre – die Bevölkerung möchte jedoch den bisherigen Halt behalten. Angesichts der aktuellen Diskussionen um Hein Schönberg darf man auf die endgültige Lösung gespannt sein. V 11 fährt deutlich hör- und sichtbar aus.

Lok 01

In Schönberg wurde derweil die Lok 01 abgestellt und die V20 039 für das dritte Zugpaar des Tages startklar gemacht. Im Bf Schönberg(Holst) stehen zwei Güterwagen zur Anschauung abgestellt – der am Tor stehende und zum Betriebspark gehörende Gms 39 wird derzeit aufgearbeitet.

V20 039

V20 039 ist für Lz126 startklar, die Schlussscheibe für die Leerfahrt bereits aufgesteckt. Lok 01 hat den Rest des Tages dienstfrei.

V20 039

V20 039 erreicht in fast modellbahnhafter Atmosphäre den Bf Stakendorf mit der letzten Fahrt nach Schönkirchen. Wenn alles wie bisher projektiert weitergeht, werden hier in zwei Jahren LINT41-Triebwagen von DB Regio mit 60 km/h auf neu gebauter Infrastruktur durchrauschen.
Mein Dank geht an alle VVM-Aktiven, die zu Ostern alle Register des möglichen Betriebes gezogen haben und den zahlreichen Fahrgästen in Groß und Klein einen Osterausflug bei Kaiserwetter mit der guten alten Eisenbahn ermöglicht haben.

Fotos in Google Earth © 2019 Jan Borchers, www.bahnfotokiste.de Nach oben