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4. September – Strandbetrieb reloaded
8. September – 218 497 nochmals im Stammeinsatz
9. September – Weil's so schön war?
12. September – Blaue Triebwagen unterwegs







Sonntag, 12. September 2021 – Blaue Triebwagen unterwegs

470 128

Das Wetter lud heute nicht gerade zu einer Fototour ein, aber manchmal kann man nicht widerstehen. Nach langer Coronapause fuhr heute der Traditionszug der S-Bahn Hamburg, der 470 128, aus Anlass des Tages des offenen Denkmals zum HVV-Tarif auf der Linie S1. Den im Oktober 2015 hauptuntersuchten Zug plagen seit seiner Inbetriebnahme technische Probleme, im Oktober steht die erste Verlängerung an. Spätestens nach Ablauf der acht Jahre HU-Frist wird sich eine längere Einsatzpause anschließen.
Auch im Vorfeld der Fahrt heute war nicht sicher, ob der 470 128 einsatzfähig ist – am Ende konnte im Werk die Einsatzfähigkeit hergestellt werden. Auf der ersten Runde fährt der 470 128 in den Hp Wandsbeker Chaussee ein. Inzwischen – rund 20 Jahre nach dem Einsatzende der Altfahrzeuge der BR 471/871 und 470/870 – muss man Bahnhöfe im klassischen Erscheinungsbild der Deutschen Bundesbahn mit der Lupe suchen.
Wandsbeker Chaussee ist eine der letzten Stationen, wo der Bahnsteig noch nicht modernisiert worden ist und auch die
früher die Bahnsteige prägenden Rosenbeete sind hier noch erhalten. Praktisch nur die blauen Stationsschilder und die neu am Traditionszug angebrachte NVR-Nummer verraten, dass die Aufnahme nicht 1993 entstanden ist.

470 128

Am klassischen Fotopunkt am Berliner Tor wieder der 470 128, jetzt auf der Fahrt nach Blankenese. Die NVR-Nummer wurde nach den Richtlinien der S-Bahn Hamburg angebracht, die keine Rücksicht auf den Einsatzzweck nehmen – obgleich die Anwendungsbestimmungen des Nationalen Fahrzeugeinstellungsregisters (National Vehicle Register, kurz: NVR) für historische Fahrzeuge explizit Möglichkeiten der unauffälligen Anbringung (Schrifthöhe 40mm, reduzierter aber gut lesbarer Kontrast bzw. Konturschrift) vorsehen.
Bisher war bei den S-Bahnen in Hamburg und Berlin aufgrund der Einstufung als Regionalbahnen keine Kennzeichnung nach dem Register üblich, praktisch nur die nach Stade in das Wechselstromnetz
– wo die Transeuropäische-Eisenbahn-Interoperabilitätsverordnung (TEIV) Anwendung findet – übergehenden Züge der BR 474.3 hatten die lange Nummer am Rahmen erhalten. 2019 wurde der Begriff der Regionalbahnen im Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) neu geregelt, nachdem die Europäische Kommission die Definition zum Gegenstand zweier Vertragsverletzungsverfahren gemacht hatte.
Im Laufe des Jahres 2021 wurden die Bestandsfahrzeuge der BR 474.1 und .2 nachgerüstet, auch erste Fahrzeuge der Berliner BR 483/484 wurden inzwischen mit den langen Nummern versehen. Mit dem 470 128 wurde jetzt das erste historische S-Bahnfahrzeug mit NVR-Nummern versehen.

470 128

Ausfahrt von 470 428 aus dem Citytunnel, aktuell etwas eingewachsen. Bei der vierten Tour machten sich die technischen Probleme des 128 wieder bemerkbar, die letzte Fahrt musste aus diesem Grunde abgebrochen werden. Der Fotograf stellte da aber bereits einem anderen blau/beige lackierten Triebwagen nach…

VT 125

…welcher sich in Form des 1981 bei der Berliner Waggon-Union gebauten Triebwagens VT 125 der Bauart NE81 zeigte. Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e.V. (AVL) bietet auf der Bleckeder Kleinbahn unter der Marketing-Bezeichnung HEIDE-EXPRESS regelmäßige Fahrten an, dieses Jahr fährt die AVL mit dem GDT 0518 noch bis zum 3. Oktober jeden Sonntag von Lüneburg nach Bleckede.
Um den GDT von diesen verdichteten Aufgaben entlasten zu können, arbeitet die AVL in Lüneburg Süd den VT 125 auf, welcher nach einer Entgleisung
auf der Achertalbahn in Ottenhöfen im Februar 2015 abgestellt stand. Der VT 125 wurde von der SWEG an das Unternehmen „Technischer Handel Rentschler“ verkauft, welches den Triebwagen in Celle Nord abstellte.
Das Fahrzeug wurde
in den letzten Wochen parallel zu den technischen Arbeiten neu lackiert und am Sonntag einer ersten Probefahrt nach Melbeck-Embsen unterzogen. Hier hat VT 125 den Bahnhof Melbeck-Embsen erreicht – dessen Empfangsgebäude wird inzwischen von einem Pizzalieferdienst genutzt, der Güterschuppen an Privat verkauft.

VT 125

VT 125 im Bahnhof während Einstellarbeiten am Fahrzeug. Links die stillgelegten Gleisanlagen des einst für die Bedienung der Industrieanlagen umfangreichen Bahnhofs Melbeck-Embsen, heute wird dort nur noch ein auf der Straße angeschlossenes Gipswerk betrieben. Rechts das als Lieferdienstlager genutzte frühere Stellwerk des Bahnhofs.

VT 125

Sechs Jahre Stillstand haben am Fahrzeug nicht nur Graffitischäden hinterlassen, auch die Technik will wieder zu verlässlichem Leben erweckt werden.

VT 125

Auf der Bleckeder Kleinbahn wurden im Mai und Dezember 2017 Probewochen mit Personenverkehr auf der Schiene angeboten, bei dem frühere AKN-VTE eingesetzt wurden, die 2016 bzw. 2017 an die A.V.G. Ascherslebener Verkehrsgesellschaft mbH (und inzwischen weiter an die BayernBahn nach Nördlingen) verkauft worden waren. Mit dem VT 125 steht bei der AVL künftig ein Fahrzeug für regelmäßige Verkehre außerhalb von Museumsbahnfahrten zur Verfügung. Eingestellt ist der Triebwagen bei der Nordliner Gesellschaft für Eisenbahnverkehr mbH.

VT 125

Nach den ersten Einstellfahrten in Melbeck-Embsen fährt der VT 125 nach Lüneburg Süd zurück, wo bis zum Abschluss der Hauptuntersuchung noch einige Arbeiten am Fahrzeug zu erledigen sein werden. Die „Gebirgsbahn“ der OHE wird seit diesem Jahr über mehrere Jahre hinweg in mehreren Bauabschnitten bis Soltau saniert, die OHE rechnet mit einem Investitionsvolumen von 40 Mio EUR bis 2025.
Im Sommer 2021 wurde der erste Abschnitt von Lüneburg bis vor Melbeck-Embsen saniert und der Oberbau erneuert. In einem zweiten Bauabschnitt werden auch die Sicherungsanlagen der Bahnübergänge entlang der Strecke modernisiert und mit Halbschranken versehen. Hier passiert VT 125 den Bahnhof Rettmer gen Lüneburg Süd und kreuzt die Lüneburger Straße.

Fotos in Google Earth © 2021 Jan Borchers, www.bahnfotokiste.de Nach oben