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6. Mai – Historischer Linienverkehr in Bremen
8. Mai – Diesel an der Westküste
13. Mai – Mit Diesel nach Wehmingen
21. Mai – Güterverkehr am Elbe-Lübeck-Kanal
23. Mai – Moin Hamburg, ich bin der Neue!
26. Mai – 40 Jahre Straßenbahnmuseum Skjoldenæsholm





Sonntag, 6. Mai 2018 – Historischer Linienverkehr in Bremen

Tw 49

Seit einigen Tagen herrscht über dem Norden Deutschlands ein stabiles Hochdruckgebiet mit klarer Luft, wie sie hierzulande nur selten anzutreffen ist. Passend dazu stand in Bremen der jährliche historische Linienbetrieb an, bei dem alle betriebsfähigen Museumszüge der Bremer Straßenbahn eingesetzt werden. In den Jahren zuvor hatte es nicht geklappt, doch nun passte Zeit und Wetter perfekt zusammen.
Die historischen Fahrzeuge werden von der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und den Freunden der Bremer Straßenbahn e. V. (FdBS) gemeinsam erhalten und sind im Betriebshof Sebaldsbrück beheimatet, welcher zu einem Großteil von den historischen Zügen und Bussen genutzt werden kann. Triebwagen 49 "Molly" rückt am 6. Mai als erster historischer Triebwagen aus der Halle in Sebaldsbrück aus.

Tw 49 und Tw 811

Der Triebwagen 49 ist der älteste erhaltene Bremer Straßenbahntriebwagen, entstammt einer Serie von 147 Fahrzeugen und wurde im Jahre 1900 von der Bremer Straßenbahn in eigener Werkstatt gebaut.
Im Gegensatz zu den meisten Fahrzeugen der gleichen Bauart wurde der Tw 49 abgesehen von der 1921 eingebauten Perronverkleidung als Wetterschutz für den Fahrer nicht modernisiert und verkehrte zwischen 1954 und 1956 als Werbewagen. Danach war der Wagen abgestellt und für das Focke-Museum vorgesehen – die Abgabe kam nicht zustande und 1962 wurde der Wagen als historischer Wagen 149 hergerichtet, einschließlich des seit 1936 in Bremen nicht mehr gebräuchlichen Stangenstromabnehmers, mit dem der Wagen jedoch nicht im Netz verkehren konnte.
1992 wurde "Molly" gründlich aufgearbeitet und erhielt für Fahrten im BSAG-Netz einen Scherenstromabnehmer. Da dem Wagen die seit 1960 in der Bundesrepublik vorgeschriebene Magnetschienenbremse fehlt, ist der Wagen jedoch nicht für den Fahrgastbetrieb zugelassen. Hier steht der Tw 49 zusammen mit dem AT 6 und dem Hansa-Großraumwagenzug 811/1806 zur Abfahrt zum Waller Friedhof bereit.

Tw 49

2016/17 wurde der Tw 49 im Rahmen der turnusmäßigen Hauptuntersuchung von Lehrlingen der BSAG optisch aufgearbeitet – die Farbgebung orientiert sich jetzt näher am historischen Vorbild, nachdem im Zuge der Arbeiten aus alten Anstrichsschichten Farbproben genommen werden konnten. Auf der Fahrt zum Waller Friedhof verlässt der Tw 49 gefolgt vom – zur Absicherung von "Molly" mitfahrenden – Arbeitswagen AT 6 die Bürgermeister-Hildebrand-Straße.

Tw 811

An der Schleife am Waller Friedhof liegen die Wurzeln der Bremer Straßenbahn. Hier nahm die "Große Bremer Pferdebahn" im September 1879 ihre Remise für die Pferdebahn zur Börse in Betrieb. Heute ist davon und der späteren ersten Hauptwerkstatt nur noch die 1992 eröffnete Kulturwerkstatt westend übrig, welche zusammen mit den Gleisen im Pflaster an die frühere Nutzung erinnert. Der Großraumzug 811/1806 hat als erste 10E die Schleife am Waller Friedhof erreicht.

Tw 811

Wo heute ein Park angelegt ist, standen früher die Werkstätten. Der Großraumzug 811/1806 verlässt die Schleife Waller Friedhof, wo der Tw 49 auf dem früheren Gleis nach Gröpelingen den Tag über ausgestellt ist.

Tw 917

In der Sankt-Magnus-Straße fährt der "Ackerwagen" GT3 917 gen Waller Friedhof. Die ab 1955 gebauten Fahrzeuge basieren auf zunächst als Zweiachser projektierten Fahrzeugen, deren Konstruktion kurzerhand angepasst wurde und einen einachsigen Nachläufer erhielt. Von den 28 gebauten Zügen ist neben einigen zu Zweiachsern umgebauten Arbeitswagen nur der Triebwagen 917 erhalten geblieben, welcher nach 1977 für einige Jahre zum Partywagen wurde. Nach rund 20-jähriger Abstellzeit wurde der Wagen 2001/02 zum Museumsfahrzeug aufgebaut und steht seitdem betriebsfähig zur Verfügung.

Tw 134

Tw 134 entstammt der gleichen Serie wie Tw 49 und wurde 1904 in der Waller Hauptwerkstatt der Bremer Straßenbahn gebaut. 1924 und 1939 wurden umfangreiche Modernisierungen am Fahrzeug durchgeführt, so dass kaum noch Ähnlichkeit zur Molly besteht. Seit 1954 wurde der Wagen als Lehrwagen genutzt und entsprechend umgebaut – nach Ersatz durch einen neuen Fahrschulzug wurde der Triebwagen zwischen 1974 und 1979 noch als Rangierwagen genutzt, ehe er für die historische Sammlung abgestellt wurde. 1991/92 wurde der Wagen in der Partnerstadt Rostock durch die RSAG umfassend aufgearbeitet, seitdem steht das Fahrzeug im Zustand von 1939 für Sonderfahrten zur Verfügung – hier biegt er von der Utbremer Straße in die Sankt-Magnus-Straße ein.

Tw 917

Tw 917 erreicht von der Sankt-Magnus-Straße die Wartburgstraße.

Tw 811

Für Bremen nicht typisch sind klassische Mehrfamilienhäuser – entlang der meisten Wohnstraßen stehen die Altbremer Häuser, oft als Einfamilienhäuser projektiert. Entlang der Daniel-von-Büren-Straße und Nachkriegsmehrfamilienhäusern fährt der Hansa-Großraumwagenzug 811/1806.

Tw 811

Markant sind die Bremer Großraumwagen, welche ab 1953 von der Hansa-Waggonbau GmbH gebaut wurden. Die letzten dieser Fahrzeuge schieden 1990 aus dem Bestand aus – der Zugverband 811/1806 ist seitdem betriebsfähiger Museumszug und oft auf den Stadtrundfahrten eingesetzt. Zwischen 2009 und 2015 wurden die Fahrzeuge gründlich aufgearbeitet und weitgehend in den Originalzustand zurückversetzt, hier in der Falkenstraße.

Tw 557

Neuester Zugang in der historischen Flotte ist der "Stadtbahnwagen" 557 vom Typ GT4f. Die zwischen 1973 und 1977 gebauten Fahrzeuge waren der letzte klassische Straßenbahntyp für Bremen, ehe Anfang der 1990er Jahre die Niederflurgeneration in Deutschland Einzug hielt. Ende 2013 endeten die letzten Einsätze der GT4f – der Tw 557 wurde nach Einsatzende 2011 als Museumswagen vorgesehen, aufgearbeitet und in den Zustand der frühen 1980er Jahre versetzt. Der passende Beiwagen 747 befindet sich noch in der Aufarbeitung. An der Hst St.-Jürgen-Straße steht der Tw 557 zur Fahrt zum Waller Friedhof bereit.

Tw 811

Auf der Hamburger Straße ist der Großraumwagenzug 811/1806 unterwegs.

Tw 917

Form und Farbe an der Hst St.-Jürgen-Straße.

Tw 811

Klare Luft, starke Farben. Fast könnte man meinen, ein Polfilter wäre zum Einsatz gekommen oder stark an den Farben gedreht. Mitnichten – ein klarer Maitag, als der Tw 917 entlang der Hamburger Straße durch die Ostvorstadt fährt.

Tw 557

Die 10E des Historischen Linienverkehrs verlässt an der Georg-Bitter-Straße die Straße Bei den Drei Pfählen bzw. den Linienweg der Linie 10 und befährt die Verbindung zur Hamburger Straße.

Tw 557

Es bedarf kaum der Werder-Fahne, um zu erkennen in welcher Stadt wir sind. Allerdings ist für den Ortsunkundigen kaum zu erkennen, dass das Weserstadion um die Ecke liegt und die vom Tw 557 erreichte Hst Weserstadion die An- und Abreisestation für Fußballspiele im Stadion ist.

Tw 557

Heute ist kein Fußball und entsprechend entspannt geht es an der Hst Weserstadion zu.

Tw 134

Tw 134 verlässt Am Schwarzen Meer den Kiez, oder besser gesagt das "Viertel".

Tw 811

Das Wetter lud zu Ausfahrten ein. Vor der Hst. St.-Jürgen-Straße traf dieses aus den 1980er Jahren stammende Mercedes SL-Cabrio auf den doch etwas älteren Hansa-Oldtimer.

Tw 134

Tw 134 am Sielwall.

Tw 557

Der Historische Linienverkehr bringt einen Hauch der Normalität der 1970er Jahre in die Stadt zurück, als sich GT4f 557 und GT3 917 an der Humboldtstraße begegnen. In den Wagen sitzt nicht der gemeine Straßenbahnfreund, sondern der eine Zeitreise erlebende (Zufalls-)Fahrgast.

Tw 701

Es bedarf schon Überzeugungsarbeit, den Zufallsgast zu bewegen, in den Zug aus einer anderen Zeit einzusteigen. Tw 701 in der Hst Sielwall. Der Wagen gehört zu einer Serie von 25 in der unmittelbaren Nachkriegszeit bei der Bremer Maschinenbau und Dockbetrieb GmbH nach Plänen der Lindner-Triebwagen gebauten Trieb- und Beiwagen. Bis 1970 – noch auf schaffnerlosen Betrieb umgebaut – wurde der Wagen 701 im Linienverkehr eingesetzt, ehe er noch bis 1985 als Rangierwagen 886 diente. Zwischen 1991 und 2001 wurde das Fahrzeug gründlich aufgearbeitet. Mittelfristig soll der Wagen noch einen aus dem Wagen SS1 umzubauenden Beiwagen erhalten, diese zuletzt bei einer externen Firma durchgeführten Arbeiten stagnieren jedoch seit einiger Zeit.

Tw 701

Tw 701 biegt vor klassischer Backsteinfassade auf die Straße Am Dobben ein.

Tw 701

Letzte Runde für den Tw 701, ein kurzer Zwischenhalt an der Utbremer Straße.

AT 6

Die Ausstellung am Waller Friedhof nähert sich dem Ende, der AT 6 hat sich auf den Weg zum Waller Friedhof gemacht, um "Molly" wieder nach Sebaldsbrück zu begleiten. Der AT 6 entstand 1981 aus dem früheren GT3 850, der Nachläufer wurde beim Umbau verschrottet. Das Fahrzeug wird bis heute von der BSAG für betriebliche Zwecke eingesetzt, mit Hilfe der Kanzel kann u.a. auch die Lage der Fahrleitung kontrolliert werden. Hier biegt der AT 6 von der Wartburgstraße in die Sankt-Magnus-Straße ein.

Tw 3050

Ein Bild eines modernen Zuges? Nein, nicht wirklich – die Zeit bleibt nicht stehen und die in den 1990ern unter Mitwirkung der BSAG entwickelten und von AEG/Adtranz gebauten GT8N stehen ab 2019 zur Ausmusterung an. Die Fahrzeuge der ersten Niederflurgeneration weisen starke Schäden an den Fahrwerken und den Wagenkästen auf, deren grundhafte Beseitigung nach Gutachten nicht mehr wirtschaftlich ist – zahlreiche Fahrzeuge fielen zur Untersuchung und Behebung der akuten Mängel einige Zeit aus. Die BSAG hat insgesamt 77 Neubaufahrzeuge vom Typ Avenio bei SIEMENS bestellt, die ab Herbst 2019 zur Auslieferung kommen werden.

Tw 49

Auf der Rückfahrt von Walle zum Betriebshof Sebaldsbrück gibt es abends vom Sonnenstand her nur wenige Stellen, wo die einrückenden Züge fotografisch festgehalten werden können. Der Fotograf war verwundert, dass außer ihm an der so ziemlich einzigen Fotostelle vor der Hst Wartburgstraße nur ein weiterer Fotograf stand. Molly verkehrt mangels Zulassung für den Personenverkehr höchst selten im öffentlichen Netz, Fotos auf dem Streckennetz dürften sooo zahlreich nicht in den Archiven schlummern.

Pw 23

Mit Hochdruck wird in Bremen seit 2009 der Wiederaufbau des 1888 gebauten Pferdebahnwagens 23 verfolgt. Der Wagen wird nach und nach neu aufgebaut, das Fahrwerk (ex Salzlore S4) konnte aus Wehmingen übernommen werden. Im Vergleich zum Besuch im November 2017 hat der Wagen wieder deutliche Fortschritte gemacht – die Fertigstellung kommt in greifbare Nähe.

Parade Sebaldsbrück

Zum Abschluss des Fahrtages werden die historischen Fahrzeuge gerne vor den Hallen des Btf Sebaldsbrück aufgestellt. Hier stehen alle fünf Akteure des Historischen Fahrtages zum Fototermin aufgereiht. Der Hansa-Gelenkwagen 446 ist derzeit zur Hauptuntersuchung und fehlt daher in der Aufstellung.

Parade Sebaldsbrück

"Molly" Tw 49 beginnt mit dem Wegstellen der Fahrzeuge.

Tw 49 und Pw 23

Tw 49 hat an den Pferdebahnwagen 23 gesetzt und rangiert ihn auf sein Abstellgleis. Nach Ende des Pferdebahnbetriebs 1892/93 wurden die Pferdebahnwagen zunächst unverändert hinter den neu angeschafften elektrischen Triebwagen betrieben, ehe sie umgebaut wurden und neue Fahrgestelle erhielten. Wagen 23 wurde 1925 als Wagen 283 ausgemustert und ohne Fahrgestell in Bremen-Walle als Kleingartenhäuschen aufgestellt, ehe er 2007 durch Zufall gefunden und 2009 geborgen wurde.

Fotos in Google Earth © 2018 Jan Borchers, www.bahnfotokiste.de Nach oben